Frühlingsgefühle – was tun?

Gestern hat mir ein Freund gesagt, dass er endlich wieder so richtig verliebt sein will und Schmetterlinge spüren möchte.

Und – sind wir uns mal ganz ehrlich – wer will dieses Gefühl speziell in der Zeit, wo die Blumen zu blühen und die Bäume zu sprießen beginnen, nicht spüren und die Welt wieder durch die rosarote Brille sehen? Wünscht sich nicht jeder einen Menschen neben sich, der einen einfach vervollständigt und sein Gegenstück ist? Um alles wieder komplett zu machen und allem – und seien es nur die kleinen Dinge – einen Sinn zu geben? Gemeinsam macht doch alles viel mehr Spaß und das Gefühl der Geborgenheit und gut aufgehoben zu sein ist spitze.

Aber ist das immer so einfach und vor allem wie findet man den Partner oder sein Gegenstück?

Es gibt zahlreiche online-Partneragenturen, welche mit einem hohen Matching-Prozentsatz werben oder auch Foren, welche den Erfolg versprechen. Es werden Akademiker, Menschen von speziellen Nationalitäten, Veganer, Emus oder Gothic-Anhänger gesucht UND gefunden und zusammen gebracht.

Ich frage mich jedoch, ist es immer das Allerwichtigste, dass der Bildungsstand einander ebenbürtig, die Hobbys ident, das Ausleben der Sexualität homogen bzw. das Alter +/- 5 Jahre zwischen den Partnern sein muss?

Wo bleiben die Individualität und das, was der Volksmund „Salz in der Suppe“ nennt?

Und ich frage mich auch, wie konnten die Menschen in der Vergangenheit Ihre Partner überhaupt finden, ohne dass sie ein Matching über sich ergehen ließen oder einen 1000-Fragen-Katalog ausgefüllt haben? Ist es heutzutage so schwer vorstellbar, dass man früher keine € 39,90 für eine 1-Monats-Mitgliedschaft bezahlt hat, sondern sich in eine Kneipe oder ein Gasthaus gesetzt hat und dann, bei einem oder zwei Bieren, einfach mit einer anderen Person ins Gespräch gekommen ist. Und, wie durch ein Wunder, hat einem das Bauchgefühl schon den weiteren gemeinsamen oder getrennten Weg gezeigt.

Woher kommt das? Die Menschen wollen sich offenbar einfach nicht mehr die Zeit nehmen, um einen anderen Menschen, eine andere Persönlichkeit, kennen zu lernen – aber ist es nicht das, was es ausmacht? Ist es nicht die Zeit des Kennenlernens, des Erfahrens einer anderen Individuums, die dieses Kribbeln im Bauch erst erzeugt … weil man eben nicht schon alles von vorn herein über den anderen weiß?

Wenn ich mir die Welt ansehe, so höre ich fast tagtäglich, wie viele Paare sich trennen, weil es einfach nicht mehr „passt“. WIE – es passt nicht mehr? – Trotz 96% Matching, wie kann das nur sein?

Ja, es ist einfach zu promoten – „ich finde für dich den richtigen Partner fürs Leben“ – aber wer kümmert sich dann um die Unstimmigkeiten und Ungereimtheiten unter den Partnern, wenn die online-Partneragentur nach 2-3 Jahren Konkurs angemeldet hat? Da ist man dann wohl auf sich alleine gestellt und kann keinen Fragekatalog beantworten, wonach alles wieder gut ist – spätestens hier ist dann wieder das Bauchgefühl gefragt.

Also seien wir uns mal ehrlich … hätten wir auf unser Bauchgefühl schon vorab vertraut, hätten wir uns so einiges erspart und vielleicht sogar noch mehr Kribbeln gehabt.

Ich werde nun zu meinem Freund gehen und ihm Folgendes sagen: GEH RAUS IN DIE WELT UND LERNE SO VIELE PERSÖNLICHKEITEN WIE MÖGLICH KENNEN – dann klappt es auch mit dem Nachbar J.

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